Bauchronik der St.-Christophorus-Kirche in Viöl (Quelle: ChatGBT)
Kurzprofil
Die Kirche in Viöl heißt St.-Christophorus-Kirche. Sie steht auf einer Anhöhe nördlich des alten Dorfkerns und wurde nach kirchlicher Überlieferung dem heiligen Christophorus geweiht —vermutlich mit Bezug auf den früheren Übergang über die Arlau, denn das Tal der Arlau war bei Viöl durch eine Furt passierbar. Die Kirchengemeinde Viöl beschreibt die Kirche als über 800 Jahre altund als Mittelpunkt des Ortes.
Baugeschichtlich ist Viöl besonders interessant, weil am Gebäude mehrere mittelalterliche Bauphasen ablesbar sind: ein früher Feldsteinbau, später ergänzte Backsteinbereiche, das gotische Karnhausund der spätmittelalterliche Westturm. Dazu kommt eine reiche Innenausstattung mit Taufstein, Viöler Madonna, Flügelaltar, Kanzel, Kreuz, Emporenmalerei und Marcussen-Orgel.
ab etwa 1150 / um 1100–1200
Entstehung der frühen Feldsteinkirche. Die Kirchengemeinde nennt als Bauabschnitt ausdrücklich: „Die Feldsteinkirche um 1100“. Zugleich ordnet sie Viöl in die Reihe der ab etwa 1150 errichteten Feldsteinkirchen Olderup, Drelsdorf, Joldelund, Bordelum und Viöl ein.
Die Datierung ist nicht auf ein exaktes Jahr festzulegen. Sicher ist: Der Ursprung liegt in der romanischen Kirchenbauphase des 12. Jahrhunderts.
um 1200
Ergänzung beziehungsweise Vollendung von Backsteinschiff und Chor.
In Viöl ist damit der Übergang von der Feldsteinbauweise zur Backsteinbauweise gut greifbar. Schwierige Bauteile wie Bögen, Fenster-und Türöffnungen ließen sich mit Backstein leichter ausführen.
um 1200 / romanische Zeit
Südportal mit Tympanon: Im Tympanon der Südtür befindet sich ein aus einem großen Granitfindling herausgehauenes Kreuz.
Dieses Kreuz ist besonders wertvoll. Die Kirchengemeinde bezeichnet es als romanische Granitplastik von großem Seltenheitswert.
13. Jahrhundert
Entstehung des Granit-Taufsteins.
Der Taufstein gilt als ältestes Kunstwerk der Viöler Kirche. Er steht heute vor der Nische mit der Nachbildung der Viöler Madonna.
13. Jahrhundert
Das eichene Kreuz stammt aus dem 13. Jahrhundert; der Corpus Christi wurde später, um 1460, geschnitzt.
Das Kreuz zeigt damit zwei Zeitschichten: älteres Kreuzholz und spätmittelalterlicher Christus-Korpus.
um 1280
Entstehung der Viöler Madonna, einer thronenden Muttergottes mit Kind.
Das Original ist ein bedeutendes hochgotisches Holzschnitzwerk und wird seit 1901 im Flensburger Museum ausgestellt. In der Kirche befindet sich eine Nachbildung.
um 1300
Anbau des Karnhausesan den Chor im gotischen Stil.
Das Karnhaus diente in katholischer Zeit als Raum für Büßende und für Wöchnerinnen vor dem ersten Kirchgang.
1389
Die Namen der Viöler Pastoren und Diakone sind seit 1389 lückenlos überliefert.
Das ist kein Bauereignis, aber ein wichtiger Hinweis auf die kontinuierliche kirchliche Organisation.
um 1450
Bau des Westturms.
Der Turm gehört zur gotischen Bauphase. Er öffnet sich im Glockengeschoss nach allen vier Himmelsrichtungen mit spitzbogigen Backsteinluken.
um 1460
Entstehung des schlichten gotischen Flügelschreins am Altar.
Im Mittelschrein standen bis zur Reformation Figuren von Maria mit Kind, Jacobus major und Christophorus, die heute an der Südwand zu sehen sind.
um 1460
Schnitzung des Corpus Christi am älteren Kreuz.
Der Corpus zeigt Christus mit geschlossenen Augen und gehört damit in eine spätere Darstellungsform des Gekreuzigten.
1529
Die Viöler Gemeinde wurde evangelisch.
Die Kirchengemeinde verweist darauf, dass Viöl bereits zwölf Jahre nach Luthers Thesenanschlag evangelisch wurde.
16. Jahrhundert
Entstehung der spätgotischen Kanzel.
Sie gehört laut Kirchengemeinde zu den ältesten Kanzeln im Land. Ursprünglich stand sie an der Südwand zwischen den großen Fenstern.
1589
Eine ältere Glocke von 1589 ist überliefert; sie musste im 18. Jahrhundert nach Brüchen umgegossen werden.
Die Glocke selbst ist nicht mehr in dieser Form erhalten, aber sie gehört zur älteren Glockengeschichte der Kirche.
17. Jahrhundert
Der Altar erhielt Renaissanceaufsätze mit ovalen Schriftfeldern, Rollwerk und Fruchtbündeln. Außerdem bekam das Mittelstück eine Bekrönung mit Auferstehungsbild.
Nach der Reformation wurde der mittelalterliche Altar also in der Frühen Neuzeit stark überformt.
Anfang 17. Jahrhundert
Vor dem Turmbogen bestand eine schmale Westempore.
Das war der Beginn der später umfangreichen Emporenanlage.
1695
Die 13 Felder der Westempore wurden mit Christus und den zwölf Aposteln bemalt. Außerdem wurde die damals vierteilige Kanzelbrüstung bemalt und mit Bibelversen versehen.
Die Emporenmalerei prägt den heutigen Innenraum stark und ist ein wichtiges Zeugnis lutherischer Bild-und Lehrtradition.
1699
Das oberste Drittel des Westturms wurde aus behauenen Granitquadern neu errichtet.
Der Turm ist also nicht vollständig mittelalterlich erhalten, sondern wurde im oberen Bereich erneuert.
1733
Bau der Nordempore. Kurz danach wurde sie mit 19 Bildern geschmückt.
Die Bilder zeigen unter anderem Adam und Eva sowie Stationen aus dem Leben Jesu bis Himmelfahrt und Pfingsten.
1785
Guss der heutigen alten großen Glocke in Rendsburg.
Sie ersetzte die ältere Glocke von 1589, die im 18. Jahrhundert geborsten war und umgegossen werden musste.
1837
Die spätgotische Kanzel wurde von der Südwand an ihren heutigen Standort in der Südostecke des Kirchenschiffs versetzt. Außerdem stammen die Wangen des vergitterten Logenstuhls aus diesem Jahr.
Damit veränderte sich die liturgische und räumliche Ordnung im Kirchenschiff.
1888
Einbau der Marcussen-Orgel. Dafür wurde die Westempore bis zur Westwand des Turms erweitert und mit der Nordempore verbunden. Carl Ludwig Jessen gestaltete die Predella des Altars neu mit einem Abendmahlsbild.
1888 ist ein wichtiges Jahr für die neuere Ausstattungsgeschichte: Orgel, Empore und Altarbild wurden verändert beziehungsweise ergänzt.
1901
Die originale Viöler Madonna kam ins Flensburger Museum.
In der Kirche steht heute eine hochwertige Nachbildung.
1922
Bei Umbauarbeiten wurde der Altarblock geöffnet. In der Mitte der Altarplatte fand man zwischen Kalkbrocken ein Reliquienkästchen, allerdings ohne Urkunde.
Das bestätigt die mittelalterliche Weihepraxis, gibt aber keine genaue Auskunft über Reliquien oder Weihejahr.
1923
Die vier Endscheiben mit den Symbolen der Evangelisten wurden am alten Kreuz angebracht.
Das Kreuz erhielt dadurch eine ergänzte ikonografische Rahmung.
1960
Stiftung einer Turmuhr durch die Viölerin Frerkens Anne.
Seitdem prägt die Uhr zusätzlich das äußere Erscheinungsbild des Turms.
1970
Renovierung: Überladene Renaissance-Zutaten am Altar wurden wieder beseitigt; Wandmalereien wurden teilweise freigelegt und restauriert, andere wieder übertüncht.
Diese Renovierung prägt den heutigen, stärker mittelalterlich geordneten Eindruck.
1971
Bis 1971 war im Karnhaus die Inschrift „Sankt Katharina“angebracht.
Das ist ein Hinweis auf ältere Heiligenbezüge im Karnhaus.
1973
Die Kirche erhielt eine zweite Glocke.
Die zweite Glocke klingt in as’.
1994
Die Marcussen-Orgel wurde nach Überarbeitung zu Ostern neu eingeweiht.
Damit wurde ein zentrales Instrument der Viöler Kirche erhalten und wieder in guten Zustand gebracht.
heute
Die St.-Christophorus-Kirche ist die historische Gemeindekirche von Viöl und Mittelpunkt des Kirchspiels.
Besonders wertvoll sind die ablesbaren Bauphasen von Feldstein, Backstein, Karnhaus und Turm sowie die reiche Innenausstattung.