Bauchronik der Kirche St. Marien und St. Johannes in Drelsdorf (Quelle: ChatGBT)
Kurzprofil
Die Kirche in Drelsdorf heißt St. Marien und St. Johannes. Sie liegt am westlichen Ende des Dorfes, umgeben von Friedhof und Kirchenwald, und dient der Kirchengemeinde Drelsdorf mit den Dörfern Drelsdorf, Ahrenshöft und Bohmstedtals Gottesdienststätte. Die Kirchengemeinde selbst beschreibt den Bau als romanische Feldsteinkirche um 1200.
Baugeschichtlich ist Drelsdorf besonders interessant, weil hier ein früher romanischer Feldsteinbau, ein spätgotisch veränderter Chor, ein mittelalterlicher Vorgängerturm von 1486, ein neugotischer Backsteinturm von 1874 und eine reiche Innenausstattung mit Wandmalereien, Renaissance-Altar, Kanzel, Apostelreihe, Epitaph und Marcussen-Orgel zusammenkommen.
um 1200
Bau der Kirche in romanischer Zeit als Feldsteinkirche.
Der älteste Bau bestand aus Kirchenschiff und eingezogenem Chor. Die Feldsteinmauern stehen auf einem profilierten Quadersockel, dessen Form ebenfalls auf die Zeit um 1200 weist.
um 1200 / Erbauungszeit
Weihwasserbecken aus Feldstein neben der früheren Nordtür.
Das Becken sitzt noch im alten Mauerverband und stammt aus der Erbauungszeit. Das ist ein schönes Detail, weil es noch direkt auf die katholische Frühzeit der Kirche verweist.
12. Jahrhundert
Romanischer Taufstein aus Granit.
Der Taufstein gehört zu den ältesten erhaltenen Ausstattungsstücken; 1972 wurde er restauriert.
1240
Erste urkundliche Erwähnung in der sogenannten Designatio von 1240.
Das ist der wichtigste feste historische Nachweis. Der Bau selbst ist älter oder etwa gleich alt; die Kirche war spätestens 1240 vorhanden.
1340
Bischof Helimbert von Schleswig legte das Patronatsrecht über die Drelsdorfer Kirche einer Präbende des Schleswiger Domkapitels zu.
Die Kirche erscheint in der Urkunde als „ecclesiam Threlstrup annexam“. Das zeigt ihre Einbindung in die mittelalterliche Kirchenorganisation.
spätgotische Zeit
Veränderung des Chores: Die Südwand des Chores wurde weiter nach Süden versetzt, fast in Flucht mit der Schiffswand; zugleich erhielt der Chor ein Kreuzrippengewölbe.
Damit wurde der ursprünglich romanische Chor deutlich verändert und stärker gotisch geprägt.
1. Hälfte 15. Jahrhundert
Entstehung der Apostelreihe aus Eichenholz: sitzender Christus und zwölf Apostel.
Die Figuren befinden sich heute hoch an der Chorbogenwand; 1981 wurden sie neu gefasst.
2. Hälfte 15. Jahrhundert
Triumphkreuz aus Eichenholz.
Das Triumphkreuz hängt an der Südwand zwischen den Fenstern und wurde 1981 neu gefasst.
1486
Bau eines älteren Westturms aus Feldsteinen, belegt durch einen im alten Turmfundament gefundenen Granitfindling mit Inschrift „Maia John Ano Dni 1486“.
Dieser Turm ist nicht mehr erhalten, aber durch den Inschriftstein bezeugt.
Ende 16. Jahrhundert
Renaissance-Altarbildwerk, Typus der Ringeling-Altäre.
Der Altar steht auf einer mittelalterlichen Granitplatte mit fünf Weihekreuzen. Das Altarbild zeigt im Mittelfeld das Abendmahl.
16. Jahrhundert
Evangelistenfiguren in den Gewölbezwickeln des Chores.
Die vier Evangelisten wurden 1980 restauriert.
16. Jahrhundert
Kanzeltür an der Ostseite der Chorbogenwand.
Die Kanzeltür ist aus Eiche gearbeitet und gehört zur älteren nachmittelalterlichen Ausstattung.
um 1600
Renaissance-Kanzel, offenbar von Hinrich Ringeling.
Die Kanzel steht in der Südostecke des Schiffs und wurde 1914 neu gefasst.
17. Jahrhundert
Messing-Taufschüssel und hölzerner Taufdeckel.
Der Taufdeckel trägt die Stifterinschrift „Peter Nissen-Koster in Drelsdorf –1749“ und wurde 1972 restauriert.
1656 / 1657
Entstehung beziehungsweise Anlass des Epitaphs Bonnix.
Das Epitaph erinnert unter anderem an Heinrich Bonnix, der 1656 als zehnjähriger Pastorensohn ertrank. Dieses Bildnis inspirierte Theodor Storm später zu seiner Novelle „Aquis submersus“.
1685 / 1687 / 1702
Stiftung von drei Messing-Kronleuchtern.
Die Kronleuchter wurden 1981 restauriert und versiegelt.
1698 / 1702
Alte Wangen des Gemeindegestühls.
Das Gestühl selbst wurde 1972 erneuert, dabei wurden alte Wangen mit den Jahreszahlen 1698 und 1702 weiterverwendet.
1870
Der alte Turm brannte infolge eines Blitzschlags nieder.
Das war der größte Einschnitt am Außenbau der Kirche in der Neuzeit.
1870
Bau der einmanualigen Orgel von Marcussen & Sohn, Apenrade.
Die Orgel steht auf der Empore und besitzt einen gotisierenden Prospekt.
1874
Neubau des Westturms in rotem Backstein nach Entwurf von Büll aus Tönning.
Der heutige Turm ist damit ein neugotischer Neubau des 19. Jahrhunderts. Die Wetterfahne nennt 1874.
1874 / 1895
Bau des Sakristeianbaus an der Ostwand des Chores; Veränderungen 1895.
Damit erhielt der mittelalterliche Chor einen neuzeitlichen Anbau.
um 1900
Glasgemälde im Südfenster mit Kreuzigungsdarstellung.
Dieses Fenster ist ein weiteres Beispiel für die historistische und spätere Ausstattung des Kirchenraums.
um 1910
Aufdeckung alter Wandmalereien unter dicken Kalkschichten.
Vorher war das Kircheninnere rundum weiß gekalkt. Die entdeckten Malereien prägen bis heute den Innenraum.
1914
Neue Fassung der Renaissance-Kanzel.
Die Kanzel wurde farblich erneuert.
1915
Neue Eichenholztüren mit geschmiedeten Eisenbeschlägen nach
Diese Türen prägen bis heute die historischen Eingänge.
Bauchroniken der Kirchen in NF Seite 2
geschmiedeten Eisenbeschlägen nach Entwürfen von L. Eilz, Ascheberg.
1916
Stiftung der Turmuhr durch Maria Hansen aus Drelsdorf.
Die Uhr wurde später modernisiert.
bis 1921
Restaurierung und Renovierung der Wandmalereien durch W. Jensen aus Garding.
Dabei wurden Renaissance-Passionsdarstellungen, gotische Ranken und biblische Medaillons wieder sichtbar beziehungsweise teils stark erneuert.
1972
Restaurierung der mittelalterlichen Altarplatte und des romanischen Taufsteins; Erneuerung des Gestühls und des Fußbodens; neue Heizungsanlage.
1972 war ein wichtiges Restaurierungsjahr für Bau und Ausstattung. Auch die Marcussen-Orgel wurde grundlegend renoviert und nach Westen versetzt.
1974
Zwei neue Bronzeglocken aus Karlsruhe; Ersatz der alten eisernen Schlagglocke außen am Turmhelm durch eine weit klingende Bronzeglocke.
Zusammen mit der älteren Glocke von 1855 bilden die Glocken das Te-Deum-Motiv e–g–a.
1976/1977
Grundlegende Renovierung und Stabilisierung des Turms: Mauerwerk, Dach und Dachstuhl wurden erneuert, Gebälk ersetzt und eine Stahlbetondecke eingezogen.
Der Turm wurde damit dauerhaft gesichert.
1977
Austausch des alten mechanischen Uhrwerks durch elektrischen Antrieb; Ergänzung weiterer Zifferblätter.
Die Turmuhr erhielt nun Zifferblätter in alle vier Himmelsrichtungen.
1979
Restaurierung des Renaissance-Altarbildwerks durch Alwin E. Beetz, Sprenge.
Damit wurde ein zentrales Stück der Innenausstattung gesichert.
1980
Umfassende Restaurierung der Wandmalereien in Chor, Kirchenschiff und Turmraum.
Ausgeführt durch Richard Wittig, Gerd Wycisk und Horst Dolnik von der Firma A. Ochsenfarth, Paderborn. Auch das Epitaph Bonnix wurde 1980 restauriert.
1981
Neue Fassung der Apostelreihe und des Triumphkreuzes; Restaurierung der Kronleuchter.
Außerdem sorgen seit 1981 moderne, unauffällige Deckenstrahler für die wirksame Beleuchtung.
heute
Die Kirche ist eine reich ausgestattete romanische Feldsteinkirche mit spätgotisch verändertem Chor, neugotischem Backsteinturm und besonders eindrucksvoller Innenausmalung.
Sie gehört zu den bau-und kunstgeschichtlich besonders interessanten Dorfkirchen im mittleren Nordfriesland.
Baugeschichtliche