Bauchronik der St.-Jakobi-Kirche in Schwabstedt (Quelle: ChatGBT)

Kurzprofil
Die St.-Jakobi-Kirche in Schwabstedt ist eine der älteren Dorfkirchen im südlichen Nordfriesland. Sie steht am Geestrand zur Treeneniederung und ist im Kern ein romanischer Feldsteinbau. Bei der Datierung gibt es eine kleine Spannbreite: Der Kirchenführer der Kirchengemeinde nennt um 1160 als Bauzeit der maßgeblichen Umrisse von Kirchenschiff und Chor; andere kunsthistorische Zusammenfassungen formulieren vorsichtiger kurz vor 1200. Für eine Bauchronik würde ich daher schreiben: um 1160 / zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, spätestens kurz vor 1200.

Bauchronik nach Zeitabschnitten

um 1160 / 2. Hälfte 12. Jh.
Errichtung der Kirche in ihren Grundzügen: einschiffiges Kirchenschiff mit Rechteckchor, ursprünglich aus Feldsteinen. Die Kirche war damit ein romanischer Saalbau ohne massiven Westturm. Die Backsteine im heutigen Mauerwerk stammen nach dem Kirchenführer aus späteren Renovierungen und Umbauten.

kurz vor 1200
Kunsthistorisch wird die Kirche auch vorsichtiger als „kurz vor 1200“ datiert. Die Grundform wird als einfache, einschiffige Feldstein-Saalkirche mit Rechteckchor beschrieben; Schiff und Chor waren ursprünglich flach gedeckt.

ab 1268
Schwabstedt wurde Residenz der Schleswiger Bischöfe. Der Ort gewann dadurch erheblich an Bedeutung. Neben der Pfarrkirche St. Jakobi bestand in Schwabstedt zusätzlich eine gotische Marienkapelle beim bischöflichen Bereich beziehungsweise bei der späteren Bischofsburg.
Spätmittelalter
An der Nordseite entstanden ein spätgotischer Anbau und daneben ein Backsteinportal. Das zeigt, dass die zunächst einfache Feldsteinkirche im Laufe der Jahrhunderte baulich erweitert und an veränderte Nutzungen angepasst wurde.

um 1500
Das Triumphkreuz über dem Chorbogen entstand. Es gehört zur spätgotischen Ausstattung und prägt bis heute den Übergang zwischen Kirchenschiff und Chor.

1505 / um 1510–1515
Der heutige spätgotische Schnitzaltar entstand ursprünglich nicht für Schwabstedt, sondern für die alte Husumer Marienkirche. Der Kirchenführer nennt wahrscheinlich 1505, andere Darstellungen nennen eine Entstehung um 1515beziehungsweise im Zusammenhang mit dem 1510 vollendeten Chorneubau der Husumer Marienkirche. Nach Schwabstedt kam der Altar erst später.

1542
Einführung der Reformation im Gebiet. Schwabstedt gehörte danach zunächst weiter zum bischöflichen Amt beziehungsweise zum Besitz des Administrators des Hochstifts Schleswig.

1585
Guss der kleineren Glocke, die bis heute im Glockenstapel hängt. Sie trägt eine niederdeutsche Inschrift.

1604
Auf der Rückseite der Altarflügel befinden sich Gemälde von Marten van Achten, datiert auf 1604. Sie zeigen Johannes den Täufer und Christus als Weltenrichter und sind nur sichtbar, wenn der Altar geschlossen ist.

1605
Stiftung beziehungsweise Herstellung der hölzernen Taufe durch Herzog Ulrich von Dänemark, Administrator des Stifts Schleswig. Die Taufe stammt aus der Werkstatt Hans Pepers in Rendsburg.

1606
Stiftung und Herstellung der Kanzel, ebenfalls aus der Werkstatt Hans Pepers. Die Kanzel zeigt biblische Szenen und trägt Wappen und Titel Herzog Ulrichs.

um 1610
Ein Lettner beziehungsweise eine Chorschranke wurde geschaffen, vermutlich ebenfalls im Zusammenhang mit der repräsentativen Ausstattung unter Herzog Ulrich. Dieser Lettner ist heute nicht mehr erhalten.

1615

Stiftung einer neuen Orgel durch Herzog Ulrich. Von dieser historischen Orgel sind
noch Teile der Brüstung mit Schnitzereien und den vier gemalten Musen erhalten.
Außerdem trägt das Backsteinportal des Kirchhofs die Jahreszahl 1615.

1617 Entstehung der zwölf Passionsbilder, die heute an der Südseite und im Altarraum
hängen. Sie stammen aus der alten Husumer Marienkirche und gehörten ursprünglich
wohl zu einem zusammenhängenden Epitaph.

1649
Stiftung des Messingkronleuchters.

1651
Renovierung beziehungsweise Umbau; Maueranker am Giebel verweisen auf dieses
Jahr. Dabei wurden die Seitenmauern erhöht.

1702
Das Amt Schwabstedt wurde mit dem Amt Husum vereinigt, der Amtssitz nach Husum
verlegt. Damit verlor Schwabstedt seine frühere politische und kirchliche Bedeutung
als bischöflicher Residenzort.

1752
Weitere größere Verbesserung / Renovierung der Kirche; auch dieses Jahr ist durch
Maueranker beziehungsweise Überlieferung belegt.

1777
Der nördlich der Kirche stehende hölzerne Glockenstapel wurde nach Inschrift
grundlegend erneuert. Der Kirchenführer betont, dass er damals bereits als „sehr
alt“ galt. Der Glockenberg wird wahrscheinlich als alter Hügel beziehungsweise
möglicherweise als alter sakraler Ort gedeutet.

1834
Der spätgotische Schnitzaltar aus der alten Husumer Marienkirche wurde nach
Schwabstedt verkauft und dort wieder aufgebaut. Damit erhielt die kleine Dorfkirche
ein außergewöhnlich bedeutendes Altarretabel.

1862
Wichtige Veränderung der Kirche: Das heutige Westportal wurde angebaut. Vorher
betrat man die Kirche durch das Nordportal oder durch ein Südportal, dessen Umriss
außen noch erkennbar ist. Außerdem wurde der Altar instand gesetzt; ein älterer
Alabasteraltar wurde abgebaut.

1888
Erneuerung des Orgelwerks.

1889
Einschneidende Umgestaltung der Kirche: Westgiebel und Dachreiter kamen hinzu,
das westliche Hauptportal ersetzte die früheren Süd- und Nordzugänge als
Haupteingang, der Dachstuhl wurde verändert und die Holzdecke in Schiff und Chor
erhöht. Außerdem wurde die bunte Fensterrosette im östlichen Giebel eingebaut.

1931
Der frühere Alabasteraltar wurde als Leihgabe an das Thaulow-Museum in Kiel
gegeben; heute befindet er sich im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum auf
Schloss Gottorf.

1934
Die Buntglasrosette im Ostgiebel wurde wegen des darin erkennbaren Davidssterns
ausgebaut und durch ein anderes Fenster ersetzt. Das ursprüngliche Fenster blieb
aber erhalten.

1941
Die große Glocke beziehungsweise ihre Vorgängerin wurde nach Lübeck abgegeben
und ging verloren.

1945
Die 1934 entfernte Buntglasrosette wurde wieder eingesetzt.

1948
Die Buntglasrosette wurde zunächst verhängt, weil man meinte, sie lenke von der
Andacht ab.

1955
Neue große Glocke von der Glockengießerei Rincker.

1969
Die Buntglasrosette wurde durch eine Steinmauer verschlossen.

1972/73
Der Altar erhielt eine neue, schlichte Predella.

1980
Neubau der Orgel im historischen Gehäuse durch Orgelbau Rudolf Neuthor, Kiel. Teile
der historischen Substanz, besonders am Rückpositiv und an der Brüstung, blieben
erhalten.

2004
Sanierung der Orgel.

2008
Weitere Arbeiten an der Orgel wegen Schimmelbefalls.

2010
Die Orgel wurde zum 30-jährigen Jubiläum in Nicolaus-Bruhns-Orgel umbenannt.
Außerdem befindet sich seit 2010 ein Standesamt im Glockenturm.

2015
Der historische Opferstock aus dem 17. Jahrhundert wurde bei einem Einbruch
gestohlen. Danach wurde ein neuer Opferstock von Kunstschmied Arne Prohn aus
Almdorf geschaffen.

2016
Die zuvor zugemauerte Buntglasrosette im Ostgiebel wurde wieder geöffnet. Seitdem
ist sie wieder als farbiges Lichtfenster im Chorbereich sichtbar.