Feldsteinkirchen sind Kirchen, deren Wände überwiegend aus Feldsteinen errichtet wurden. Feldsteine sind natürlich vorkommende Steine – meist Granit, Gneis oder andere harte Gesteine –, die während der Eiszeiten von Gletschern nach Norddeutschland transportiert wurden. Sie wurden auf Äckern und Feldern gesammelt, daher der Name.
Merkmale einer Feldsteinkirche
- Baumaterial: Meist große Granitfindlinge.
- Bearbeitung: Die Steine sind oft nur grob zugerichtet. Bei älteren Kirchen wurden sie teilweise an einer Seite flach behauen, damit sie sich besser schichten ließen.
- Mauerwerk: Die Zwischenräume wurden mit kleineren Steinen und Mörtel ausgefüllt.
- Fenster und Portale: Diese bestehen häufig aus Backstein oder sorgfältig behauenen Natursteinen, weil sich Feldsteine dafür schlecht eignen.
Warum wurden Feldsteine verwendet?
Im 12. und 13. Jahrhundert gab es in Schleswig-Holstein kaum geeignete Natursteinbrüche. Feldsteine lagen dagegen überall auf den Feldern und mussten lediglich eingesammelt werden. Backsteine wurden zwar ebenfalls verwendet, ihre Herstellung war jedoch aufwendiger und setzte Ziegeleien voraus.
Feldsteinkirchen in Schleswig-Holstein
Die meisten Feldsteinkirchen entstanden während der Christianisierung im 12. und frühen 13. Jahrhundert. Besonders auf der Geest wurden häufig Feldsteine verwendet, da dort eiszeitliche Findlinge reichlich vorhanden waren.
In Nordfriesland gibt es allerdings vergleichsweise wenige echte Feldsteinkirchen. Der Grund ist geologisch einfach:
- Geest: Viele Findlinge → zahlreiche Feldsteinkirchen.
- Marsch: Kaum Feldsteine → dort wurden überwiegend Backstein oder Tuffstein verwendet.
Wann ist eine Kirche wirklich eine Feldsteinkirche?
Hier lohnt sich eine genaue Unterscheidung:
- ✅ Echte Feldsteinkirche: Das aufgehende Mauerwerk besteht überwiegend aus Feldsteinen.
- ⚠️ Keine Feldsteinkirche: Nur das Fundament oder einzelne Bauteile bestehen aus Feldsteinen.
- ⚠️ Keine Feldsteinkirche: Das Mauerwerk besteht überwiegend aus Backstein oder Tuffstein, auch wenn einzelne Feldsteine verbaut wurden.
Gerade bei den nordfriesischen Dorfkirchen werden manche Gebäude als Feldsteinkirchen bezeichnet, obwohl sie überwiegend aus Backstein, Tuffstein oder Granitquadern bestehen. Für eine bauhistorisch korrekte Einordnung sollte deshalb immer das überwiegende Mauerwerk betrachtet werden.
Beispiele in Nordfriesland
Nach dieser strengen Definition gehören unter anderem folgende Kirchen zu den echten Feldsteinkirchen:
- Joldelund
- Olderup
- Schwesing
- Viöl
- Ostenfeld (Husum)
- Schwabstedt
Andere Kirchen besitzen zwar Feldsteine im Fundament oder in einzelnen Mauerabschnitten, gelten aber baugeschichtlich nicht als Feldsteinkirchen.